Das beschlossen die EU-Staats- und Regierungschefs am Donnerstag, wie Ratspräsident Charles Michel am Abend mitteilte. Zuvor hatte bereits die EU-Kommission eine entsprechende Empfehlung ausgesprochen und das EU-Parlament mit 529 zu 45 Stimmen eine Entschließung verabschiedet.

Georgien soll dieser Status erst zugestanden werden, sobald die Regierung bestimmte, von der Europäischen Kommission genannte Kriterien erfüllt.

Die Ukraine und Moldawien gesellen sich damit zu fünf anderen Ländern, die sich bereits "Beitrittskandidaten" nennen dürfen, aber gleichzeitig auch demonstrieren, dass mit diesem Status kein Automatismus verbunden ist und es stattdessen Jahre und Jahrzehnte bis zu einer Mitgliedschaft dauern kann - oder sie auch gar nicht kommt.

Albanien ist seit 2014 offizieller Kandidat, Serbien seit 2012, Montenegro seit 2010, Nordmazedonien, damals noch unter anderem Namen, seit 2005, und die Türkei sogar seit 1999.

Albanien warnt vor Hoffnungen auf schnellen EU-Beitritt


Der albanische Premierminister Edi Rama hat die Behörden in Kiew davor gewarnt, auf einen schnellen EU-Beitritt zu hoffen.

In einer Rede am Rande des EU-Westbalkan-Gipfels in Brüssel erklärte der albanische Regierungschef am Donnerstag, es sei eine "gute Sache, den Kandidatenstatus zu erreichen", aber er hoffe, "dass sich das ukrainische Volk darüber keine Illusionen macht".

"Nordmazedonien ist seit 17 Jahren Kandidat, wenn ich mich nicht verzählt habe. Albanien seit acht. Also, willkommen in der Ukraine", sagte Rama.

Georgien besteht auf Kandidatenstatus


Der georgische Premierminister Irakli Garibaschwili hat darauf bestanden, dass sein Land den Kandidatenstatus viel mehr verdiene als die Ukraine oder Moldawien.

Bei der Vorstellung seines Jahresberichts vor dem georgischen Parlament am Donnerstag stellte Garibaschwili fest, dass Georgien "bei allen Parametern unangefochten an der Spitze steht" und nicht nur vor der Ukraine und Moldawien, sondern auch vor vielen EU- und NATO-Mitgliedstaaten liegt.

Er betonte, dass die Empfehlungen des EU-Parlaments für die Kandidatur nicht auf Verdiensten beruhten, sondern auf der aktuellen geopolitischen Situation, die sich um den russisch-ukrainischen Konflikt drehe.

Garibaschwili bezeichnete die "emotionale" Herangehensweise der EU-Kommission an die Kandidatur seines Landes als enttäuschend, sagte aber, er warte weiterhin auf die endgültige Entscheidung über die georgische Kandidatur.

Belgien bezeichnet den EU-Kandidatenstatus der Ukraine als symbolisch


Die Verleihung des EU-Kandidatenstatus an die Ukraine sei eine wichtige "symbolische Botschaft" zur Unterstützung Kiews inmitten des anhaltenden Konflikts mit Russland, sagte der belgische Premierminister Alexander De Croo am Donnerstag. Die tatsächliche Aufnahme des Landes in die EU werde jedoch "viele Jahre" und "eine Menge Reformen" erfordern, warnte er.

"Die Ukrainer kämpfen für unsere Werte, für unsere Werte der Demokratie, der Sicherheit und des Friedens. Mit dem Kandidatenstatus ein Signal an die ukrainische Bevölkerung zu geben, ist eine sehr wichtige symbolische Botschaft", sagte De Croo.

Der eigentliche Beitrittsprozess werde jedoch ein holpriger Weg sein, da das Land eine Vielzahl von Problemen angehen müsse, um die EU-Standards zu erfüllen, so der Premierminister.

"Dies bedeutet nicht, dass die Ukraine bald Teil der Europäischen Union sein wird. Es ist ein langjähriger Prozess mit vielen Reformen, der sehr schwierig sein wird, und für uns ist es sehr wichtig, ein starkes symbolisches Signal zu setzen", erklärte De Croo.

"Die Bedingungen für einen Beitritt zur Europäischen Union sind nicht leicht zu erfüllen, und es wird viel Zeit brauchen"

Frankreich spricht von "starkem Signal" der EU an Russland


Die Verleihung des Status eines EU-Beitrittskandidaten an die Ukraine und Moldawien sei eine "politische Geste", die ein "starkes Signal" an Russland sende, sagte der französische Präsident Emmanuel Macron am Donnerstag.

Während Kiew und Chisinau feierten, warnten andere EU-Staats- und Regierungschefs, dass der Status weitgehend symbolisch sei und noch Jahre an Reformen und Verhandlungen nötig seien, bevor eine tatsächliche Mitgliedschaft in Aussicht stehe.

Die Anerkennung der europäischen Perspektive der Ukraine, Moldawiens und Georgiens durch die EU ist ein starkes Signal an Russland im aktuellen geopolitischen Kontext", sagte Macron auf einer Pressekonferenz in Brüssel. Die Verleihung des Kandidatenstatus an die Ukraine und Moldawien sei "eine sehr starke Botschaft", fügte er hinzu.

"Wir sind dies dem ukrainischen Volk schuldig. Es kämpft für unsere Werte", sagte Macron. "Vom ersten Tag dieses Konflikts an hat Europa schnell, historisch und geschlossen reagiert. Zunächst mit Sanktionen, dann mit makroökonomischer, militärischer und finanzieller Unterstützung und nun mit dieser politischen Geste."