Am Montagmorgen verließ zum ersten Mal seit Monaten ein Schiff mit ukrainischem Getreide die Hafenstadt Odessa. Der Frachter ist der erste von vielen, die im Rahmen eines im letzten Monat mit Russland ausgehandelten bahnbrechenden Abkommens auslaufen werden.
Das türkische Verteidigungsministerium identifizierte das Schiff als die Razoni, ein in Sierra Leone registriertes Trockenfrachtschiff. Das endgültige Ziel sei der Libanon, so das Ministerium.
Nach Angaben Ankaras sollte das Schiff am Montag um 8.30 Uhr Ortszeit auslaufen. Der ukrainische Infrastrukturminister Aleksandr Kurbakov meldete einen etwas anderen Zeitplan, wonach das Schiff um 09:15 Uhr auslaufen sollte. Nach beiden Terminen blieb die Razoni noch einige Zeit in Odessa vertäut, so dass sie um etwa 09:50 Uhr Ortszeit auslief.
Kurbakov machte auch nähere Angaben zur Ladung an Bord. Das Schiff transportiert 26.000 Tonnen ukrainischen Mais nach Tripoli im Libanon, sagte er in den sozialen Medien.
Seit dem russischen Angriff Ende Februar hat es keine Seefrachttransporte aus der Ukraine mehr gegeben. Die Ukraine beschuldigte Russland, eine Seeblockade im Schwarzen Meer zu verhängen und damit zu einem Anstieg der weltweiten Lebensmittelpreise beizutragen.
Moskau wies die Vorwürfe zurück und erklärte, seine Marine biete den Händlern täglich eine sichere Durchfahrt. Die Ukraine hindere die Schiffe daran, ihre Häfen zu verlassen, und setze entlang ihrer Küste Seeminen ein, was eine Bedrohung für den Seeverkehr darstelle.
Der Plan zur Wiederaufnahme der ukrainischen Getreideexporte wurde im vergangenen Monat von der Türkei und den Vereinten Nationen vermittelt, wobei zwei separate Abkommen mit der Ukraine und mit Russland unterzeichnet wurden.
Darin verpflichten sich die Vereinten Nationen unter anderem, sich für die Aufhebung der westlichen Beschränkungen einzusetzen, die den Export von russischem Getreide behindern, einschließlich eines Verbots von Finanztransaktionen mit russischen Banken. Moskau erklärte, eine solche Maßnahme würde den Druck auf die globalen Lebensmittelmärkte verringern, was auch das Hauptziel der Wiederaufnahme der Lieferungen aus der Ukraine ist.
Die Türkei beherbergt auch ein spezielles Zentrum zur Koordinierung des Verkehrs im Rahmen des Abkommens, an dem Vertreter aus Moskau und Kiew teilnehmen.



