Die düstere Realität der deutschen Energiekrise wurde aufgedeckt, nachdem ein vernichtender Bericht des Verbands Gas Infrastructure Europe enthüllt hat, dass ein Drittel der deutschen Gasspeicher derzeit nicht mit Gas gefüllt ist und viele andere weniger als ein Drittel gefüllt sind.

Die vom Verband veröffentlichten Informationen, über die die deutsche Boulevardzeitung BILD berichtet, werden für die deutsche Bundesregierung eine schwierige Lektüre sein, da sich die Länder in ganz Europa bemühen, die Gasspeicher in Erwartung eines schwierigen Winters zu füllen.

Die deutsche Bundesregierung, die sich der starken Abhängigkeit des Landes von russischer Energie bewusst ist, hat angeordnet, dass die Gasspeicher des Landes bis zum 1. November zu 90 Prozent gefüllt sein müssen.

Doch wie BILD berichtet, ist der Erdgasspeicher Peissen (Sachsen-Anhalt) nur zu 19,36 Prozent gefüllt, Bayernugs (Bayern) zu 26,26 Prozent, Astora (Niedersachsen) zu 34,51 Prozent und der Gasriese Uniper (NRW) zu 56,16 Prozent.

Darüber hinaus berichtet die Springer-Zeitung, dass nur "etwa zwei Drittel der rund 40 Gasspeicher in Deutschland derzeit mit Gas gefüllt sind." Das ist zwar mehr als im Sommer des vergangenen Jahres, aber deutlich weniger als 2020, als die Speicher zu mehr als 80 Prozent und im September zu mehr als 90 Prozent gefüllt waren. Wobei man anmerken muss, dass in den letzten Monaten auch viel Gas aus deutschen Beständen nach Polen flossen.

Das wirtschaftliche Kraftwerk Europas hinkt anderen europäischen Ländern wie Polen hinterher, das seine Speicher derzeit zu 95 Prozent gefüllt hat. Auch Ungarn verfügt über ausreichende Erdgasreserven, und der ungarische Minister für Technologie und Industrie, László Palkovics, wies kürzlich die Forderung wichtiger deutscher Politiker zurück, seine Reserven mit anderen europäischen Ländern zu teilen.

Die wichtige Gaspipeline Nord Stream 1 ist offiziell wegen Wartungsarbeiten außer Betrieb, wie der russische Staatskonzern Gazprom angekündigt hat, obwohl viele skeptisch sind, dass dies der wahre Grund für die Verzögerungen ist. Die Bundesregierung muss sich unterdessen um Ersatzlieferungen bemühen, um sicherzustellen, dass ihre Speicher ausreichend gefüllt sind, um die Nachfrage der deutschen Verbraucher zu decken, wenn die Temperaturen im Herbst zu sinken beginnen.

BILD berichtet zwar, dass im Notfall Gas für die teure Gebühr von 15 Milliarden Euro von der staatlichen KfW-Bank gekauft werden kann, doch dürfte ein solcher Schritt von der Bundesregierung als letztes Mittel angesehen werden. Darüber hinaus könnte sich die am Montag von der Europäischen Kommission bekannt gegebene Vereinbarung mit Aserbaidschan über die Verdoppelung seiner Gasexporte in die EU als Deutschlands rettender Trumpf erweisen.