Die Transformation hin zur Elektromobilität erschüttert Deutschlands Vorzeigeindustrie in ihren Grundfesten. Neue Zahlen des Verbands der Automobilindustrie (VDA) zeichnen ein düsteres Bild der Beschäftigungsperspektiven - und werfen die Frage auf, ob der forcierte Wandel zur E-Mobilität nicht zu schnell vorangetrieben wird. Die Fakten sind ernüchternd: Bereits seit 2019 wurden 75.000 Stellen abgebaut, davon allein 8.900 im Bereich der Metallverarbeitung. Zwar entstanden im Gegenzug 29.000 neue Arbeitsplätze, vor allem in der Fahrzeugtechnik. Doch unter dem Strich steht ein Verlust von 46.000 Jobs. Und das ist erst der Anfang.
Das Prognoseinstitut rechnet in seiner Studie damit, dass bis 2035 - wenn nur noch Elektrofahrzeuge vom Band rollen sollen - weitere 140.000 Arbeitsplätze wegfallen könnten. Besonders betroffen: klassische Produktionsberufe wie Metallbau und Schweißtechnik. VDA-Präsidentin Hildegard Müller nennt die Transformation eine "Mammutaufgabe". Die Branche stemmt sich mit Investitionen in Milliardenhöhe gegen den Niedergang: "Allein zwischen 2024 und 2028 fließen 280 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung, weitere 130 Milliarden in die Umrüstung der Werke", erklärt sie.
Während traditionelle Fertigungsberufe verschwinden, boomt die Nachfrage nach IT-Spezialisten. Seit 2019 stieg die Zahl der IT-Beschäftigten in der Autobranche um ein Viertel, seit 2013 sogar um 85 Prozent. Gefragt sind künftig vor allem Fachkräfte in den Bereichen Informatik, Kommunikationstechnik, Mechatronik und Elektrotechnik. Doch die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte bereitet der Branche Kopfzerbrechen. Gleichzeitig zeichnet sich ein Überangebot in der Unternehmensführung und Verwaltung ab - Bereiche, deren Bedeutung künftig abnehmen wird.
Alarmierend ist auch: 82 Prozent der mittelständischen Automobilzulieferer verschieben, verlagern oder streichen geplante Investitionen in Deutschland komplett. Mehr als jedes dritte Unternehmen (37 Prozent) plant, Investitionen ins Ausland zu verlagern. Die Studie richtet einen dringenden Appell an die Politik: Ohne verbesserte Rahmenbedingungen - von wettbewerbsfähigen Energiepreisen über Bürokratieabbau bis hin zu einem attraktiveren Steuersystem - droht der Industriestandort Deutschland nachhaltig Schaden zu nehmen.
Der erzwungene Umstieg auf Elektromobilität könnte sich als Pyrrhussieg erweisen: Während Europa seine angeblichen Klimaziele erreicht, wandert die Produktion in Regionen ab, wo Umweltstandards eine untergeordnete Rolle spielen. Die Transformation der Automobilindustrie gleicht einem Drahtseilakt - mit dem Wohlstand einer ganzen Branche als Einsatz.



