Angesichts der aktuellen Krise bei Volkswagen fordern führende Politiker der Ampel-Koalition eine neue EU-Industriestrategie. SPD-Chef Lars Klingbeil und FDP-Fraktionschef Christian Dürr sehen die EU-Kommission in der Pflicht, schnell zu handeln, um die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen zu stärken. Doch eine genauere Analyse zeigt, dass dieser Ansatz zu kurz greift und wichtige Faktoren außer Acht lässt.

Zwar ist es richtig, dass überbordende Bürokratie und strenge Klimavorgaben die deutsche und europäische Industrie belasten. Doch die Probleme gehen weit darüber hinaus. Eine fehlgeleitete Energiepolitik sowie die künstliche Verteuerung von Energie durch Sanktionen, Steuern und Abgaben setzen der Industrie ebenfalls massiv zu. Diese Aspekte werden von den Politikern in ihrer Forderung nach einer EU-Strategie weitgehend ignoriert.

Im internationalen Vergleich ist Europa als Wirtschaftsstandort extrem teuer geworden. Neben den hohen Energiepreisen und der Bürokratie tragen auch hohe Lohnkosten und weitere produktionsverteuernde Faktoren dazu bei. Die von nahezu allen großen Parteien mitgetragene "grüne" Klimapolitik verschärft diese Situation zusätzlich, anstatt praktikable Lösungen zu finden.

Kritiker werfen dem VW-Management vor, zu spät und zu wenig in die Elektromobilität investiert zu haben. Doch auch hier spielen die politischen Rahmenbedingungen eine entscheidende Rolle. Die einseitige Fokussierung auf Elektroantriebe, ohne echte Technologieoffenheit zuzulassen, hat die Handlungsspielräume der Automobilindustrie stark eingeschränkt. Denn auch bei den Verbrennern kann man noch an einer höheren Effizienz arbeiten.

Eine neue EU-Industriestrategie allein wird diese vielschichtigen Probleme nicht lösen können. Stattdessen braucht es einen ganzheitlichen Ansatz, der die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Europa insgesamt in den Blick nimmt. Dazu gehören eine Überprüfung der Energiepolitik, ein Abbau überzogener Regulierungen und eine technologieoffene Herangehensweise mit Fokus auf Innovationen und Effizienzsteigerungen.

Die Politik muss erkennen, dass nicht nur einzelne Faktoren, sondern das Zusammenspiel vieler Aspekte die aktuelle Krise verursacht hat. Nur wenn diese in ihrer Gesamtheit angegangen werden, besteht die Chance, den Industriestandort Europa nachhaltig zu stärken und Unternehmen wie VW eine echte Zukunftsperspektive zu bieten.