Gasmangel und explodierende Heizkosten könnten dazu führen, dass viele Deutsche in diesem Winter nicht mehr in der Lage sind, ihre Heizkosten zu bezahlen, berichtete die "Bild am Sonntag". Der Deutsche Städte- und Gemeindebund habe vorgeschlagen, den Bedürftigsten öffentliche Aufwärmplätze zur Verfügung zu stellen. Einige deutsche Städte haben solche Pläne bereits in die Tat umgesetzt, so die Zeitung.
Die westdeutsche Stadt Ludwigshafen ist dabei, ihre Friedrich-Ebert-Halle in eine riesige Aufwärmhalle umzuwandeln, berichtet Bild unter Berufung auf die Bürgermeisterin Jutta Steinruck. Die Halle, in der früher Sportveranstaltungen, Ausstellungen und Konzerte stattfanden und die während der Covid-19-Pandemie als Impfzentrum diente, soll Medienberichten zufolge nun Menschen vor eisigen Wintertemperaturen schützen. "Wir bereiten uns derzeit auf alle Notfallszenarien für Herbst und Winter vor", so der Bürgermeister gegenüber Bild.
Der Städte- und Gemeindebund fordert, dass die Städte in ganz Deutschland ähnliche Maßnahmen ergreifen. "Niemand kann genau sagen, wie dramatisch die Entwicklungen sein werden", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Gerd Landsberg, der Boulevardzeitung und fügte hinzu, dass man darüber nachdenken sollte, "Wärmeinseln" und "warme Räume einzurichten, in denen sich die Menschen auch in einem sehr kalten Winter aufhalten können".
Laut Bild droht Deutschland im kommenden Winter nicht nur ein weiterer Preisanstieg, sondern auch ein akuter Engpass in der Energieversorgung, falls Russland seine Gaslieferungen aus welchen Gründen auch immer komplett einstellt. Anfang der Woche hatte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärt, Moskau garantiere eine zuverlässige Energieversorgung für Europa und fügte hinzu, dass die europäischen Kunden keine "überhöhten" Stromrechnungen mehr zu erwarten hätten.
Auch die westdeutschen Städte Neustadt, Frankenthal und Landau wollen laut Bild eigene Wärmeinseln" für den Winter schaffen. Andere Energiesparstrategien sehen vor, die Außenbeleuchtung öffentlicher Gebäude und Ampeln nachts abzuschalten. Die Stadt Düsseldorf plant, die Heiztemperaturen für Herbst und Winter zu senken, um Energie zu sparen, berichtet Bild. Auch der Einsatz von Klimaanlagen im Sommer soll reduziert werden, heißt es weiter.
Im vergangenen Monat hat die russische Gazprom den Durchfluss durch die Nord-Stream-Pipeline auf etwa 40 % der Kapazität reduziert und sich dabei auf Betriebsrisiken berufen, nachdem Kanada eine zur Wartung dorthin geschickte Pipelineturbine nicht zurückgeschickt hatte. Ottawa erklärte am Samstag, dass es die Turbine nach Deutschland zurückschicken werde, nachdem Berlin darum gebeten hatte. Moskau hatte zuvor erklärt, dass die Gaslieferungen nach Europa erhöht werden würden, wenn die Turbine zurückgegeben würde. Am 11. Juli wird Gazprom jedoch die Nord Stream-Pipeline für 10 Tage wegen geplanter Wartungsarbeiten schließen.



