Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat sich persönlich in die Vermittlungsbemühungen eingeschaltet. "Ich werde versuchen, mit Putin zu sprechen. Es kostet mich nichts, ihm zu sagen: 'Hey, Genosse Putin, fahr nach Istanbul und verhandle'", erklärte Lula laut The Moscow Times während seines China-Besuchs. Der brasilianische Staatschef plant, auf seinem Rückweg in Moskau Station zu machen, um Putin persönlich zur Teilnahme zu bewegen.

Die brasilianische Initiative folgt einem Appell des ukrainischen Außenministers Andrii Sybiha, der Brasilien gebeten hatte, seinen Einfluss auf Russland zu nutzen. Laut Pravda.com.ua könnten die für den 15. Mai angesetzten Gespräche die ersten direkten Verhandlungen zwischen Kiew und Moskau seit 2022 werden. Brasilien und China haben zudem eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der sie direkte Verhandlungen als "den einzigen Weg zur Beendigung des Konflikts" bezeichnen – ein deutliches Signal an beide Konfliktparteien.

Westliche Drohkulisse


Deutsche Spitzenpolitiker haben eine klare Haltung eingenommen. Außenminister Johann Wadephul warnte Russland vor "Konsequenzen", sollte Putin nicht zu den Gesprächen erscheinen. "Wenn Russland es mit dem Frieden ernst meint, sollte es keinen leeren Stuhl hinterlassen", betonte Wadephul laut English.nv.ua. Auch Verteidigungsminister Boris Pistorius schloss sich dieser Position an.

Die europäischen Mächte bereiten bereits ein 17. Sanktionspaket vor, das am kommenden Dienstag beim Außenministerrat verabschiedet werden soll. Laut El País identifiziert dieses Paket unter anderem mehrere in China und Dubai ansässige Unternehmen, die die russische Kriegsmaschinerie unterstützen oder Schiffe für die sogenannte Geisterflotte bereitstellen, mit der Moskau das Embargo für Öl und andere Exporte umgeht. "Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie Russland diesen Krieg fortsetzt", warnte der deutsche Außenminister Wadephul und unterstrich damit die Entschlossenheit Europas, den Druck auf Moskau zu erhöhen.

Trumps Rolle


US-Präsident Donald Trump hat signalisiert, möglicherweise selbst nach Istanbul zu reisen. "Es besteht die Möglichkeit, wenn ich denke, dass etwas passieren kann", sagte Trump laut ABC News. Außenminister Marco Rubio wird die USA bei den Gesprächen vertreten, zusammen mit den Sondergesandten Steve Witkoff und Keith Kellogg.

Trumps Haltung hat in den letzten Tagen für Verwirrung gesorgt. Zunächst unterstützte er laut Business Times den von europäischen Führern geforderten 30-tägigen Waffenstillstand, schwenkte dann aber schnell auf Putins Angebot direkter Gespräche in Istanbul um – ein Angebot, das von der Ukraine und ihren europäischen Partnern als Versuch interpretiert wurde, ihrem Vorschlag auszuweichen. Trump drängte Selenskyj sogar öffentlich, "sofort" dem Treffen zuzustimmen. Nach Selenskyjs Gegenangebot eines direkten Treffens mit Putin deutete Trump an, er könnte sich anschließen: "Unterschätzen Sie nicht den Donnerstag in der Türkei", sagte er vor seiner Abreise zu einem geplanten Besuch in drei Golfstaaten.

Russlands Position


Der Kreml hält sich bedeckt. Sprecher Dmitri Peskow bestätigte lediglich, dass eine russische Delegation in Istanbul sein wird, vermutlich unter Leitung von Außenminister Sergej Lawrow und Putins außenpolitischem Berater Juri Uschakow. "Sobald der Präsident dies für notwendig erachtet, werden wir es bekanntgeben", erklärte Peskow zur möglichen Teilnahme Putins.

Konstantin Kosachev, der stellvertretende Sprecher des Föderationsrates, des Oberhauses des russischen Parlaments, deutete laut ABC News an, dass Putin nicht teilnehmen werde. Kosachev sagte dem TV-Sender Rossiya-24, dass Selenskyj versuche, "die Schuld auf Russland zu schieben, zu sagen: Schaut, Präsident Putin, den ich nach Istanbul eingeladen habe, hat abgelehnt, ist nicht gekommen. Und dann wird es allerlei Unterstellungen darüber geben, warum das passiert ist." Oleg Ignatov, leitender Russland-Analyst der International Crisis Group, erklärte gegenüber ABC News, es wäre "eine große Überraschung", wenn Putin nach Istanbul reisen würde. "Normalerweise trifft sich Putin nicht einfach mit irgendjemandem ohne Vorbereitungen", erläuterte Ignatov.

Selenskyjs Herausforderung


Selenskyj hat Putin öffentlich herausgefordert: "Ich werde am Donnerstag in der Türkei auf Putin warten. Persönlich", schrieb er auf X. Der ukrainische Präsident wird zunächst nach Ankara reisen, um Präsident Erdoğan zu treffen, bevor beide nach Istanbul weiterreisen würden.

In einem Gespräch mit Journalisten erklärte Selenskyj: "Wenn Putin nicht kommt und Spielchen spielt, ist das der endgültige Beweis, dass er den Krieg nicht beenden will." Sein Berater Mykhailo Podolyak bekräftigte, dass Selenskyj nur mit Putin und keinem anderen Mitglied der russischen Delegation sprechen werde. "Zweifellos kann nur Putin die Entscheidung treffen, den Krieg fortzusetzen oder zu beenden", sagte Podolyak in einem Interview mit exilierten russischen Journalisten. Oleksandr Merezhko, Abgeordneter von Selenskyjs Partei, lobte den Präsidenten für seine diplomatischen Manöver: "Selenskyj hat einen genialen Schachzug gemacht, der Putin in die Ecke gedrängt hat", sagte er. "Er sagte: 'Herr Trump – Sie wollen Verhandlungen? Sie werden sie bekommen. Ich komme persönlich.'"

Internationale Erwartungen


Die Gespräche in Istanbul könnten die ersten direkten Friedensverhandlungen zwischen den beiden Seiten seit den frühen Wochen der russischen Invasion im Februar 2022 sein. Die internationale Gemeinschaft blickt mit einer Mischung aus Hoffnung und Skepsis auf das mögliche Treffen.

Europäische Führungspersönlichkeiten unterstützen offiziell ein mögliches Treffen zwischen den beiden Staatsoberhäuptern. "Wir würden es begrüßen, wenn Präsident Putin zum ersten Mal seit vielen Jahren, sicherlich seit Kriegsbeginn, mit Selenskyj zusammentreffen und am Donnerstag ein direkter Dialog stattfinden würde", sagte ein Sprecher der Europäischen Kommission laut El País.

Gleichzeitig wächst in Europa die Sorge über Trumps scheinbare Absicht, um jeden Preis ein Friedensabkommen zu sichern – selbst wenn es ein schlechter Deal für die Ukraine und damit für Europa wäre, nur um vor seinem heimischen Publikum sagen zu können, dass er einen Deal erreicht hat, wie verschiedene europäische Quellen berichten. Der US-Botschafter bei der NATO, Matthew G. Whitaker, bezeichnete das mögliche Treffen als "das Ermutigendste, was wir in den letzten drei Jahren dieses endlosen, wirklich unnötigen Krieges hatten."