Während die deutsche Bevölkerung sich auf einen Herbst des Sozialabbaus vorbereiten soll, feiert der Staat mit militärischem Pomp die Eröffnung der größten Munitionsfabrik der Nation. In Unterlüß, Niedersachsen, dreht sich ab sofort alles um die Produktion von Artilleriegranaten, mit denen Rheinmetall die NATO-Kriegsmaschinerie am Laufen hält. Der Aufmarsch zur Eröffnung liest sich wie ein groteskes Schauspiel: Verteidigungsminister Boris Pistorius, Finanzminister Lars Klingbeil und NATO-Generalsekretär Mark Rutte treten auf, als hätten sie gerade die Zukunft Europas gesichert. In Wahrheit eröffnen sie eine Todesfabrik. Bis zu 350.000 Granaten jährlich sollen dort vom Band laufen – für ein Geschäft, das bis 2030 in die dreistelligen Milliarden reicht. Rheinmetall-Chef Armin Papperger träumt bereits von einem Konzernumsatz auf Augenhöhe mit den US-Giganten Lockheed Martin und RTX. Deutschland rüstet nicht nur auf – es will ein globaler Rüstungschampion werden.

Das Paradoxe an diesem Wahnsinn ist, dass während die Waffenindustrie boomt, dem normalen Bürger erzählt wird, er müsse künftig den Gürtel enger schnallen. Milliarden fließen in Panzer, Haubitzen und Granaten, während gleichzeitig Kanzler Friedrich Merz das Ende des Sozialstaates verkündet. Die Rente? Luxusproblem. Krankenversicherung? Reformbedürftig. Familienleistungen? Kürzungswürdig. Man nennt es „Reformen“, in Wahrheit handelt es sich um das größte Sozialmassaker der Nachkriegsgeschichte. Ganze 152 Milliarden Euro soll der Militäretat bis 2029 verschlingen, ergänzt durch neue Schulden, deren Höhe jede Vorstellungskraft sprengt. Der Bürger zahlt doppelt: mit Steuern, mit Sozialkürzungen – und im schlimmsten Fall mit dem Leben seiner Kinder, wenn diese als Kanonenfutter für die neuen Rheinmetall-Granaten verheizt werden.

Der Konzern selbst ist längst entfesselt. Mit neuen Standorten in Ungarn, Litauen, Bulgarien und sogar in der Ukraine dehnt er seine Produktionsketten immer weiter aus. In Bulgarien baut Rheinmetall gerade die größte Schießpulverfabrik Europas – eine makabre Perversion, die zeigt, wie selbstverständlich Krieg wieder als Geschäftsmodell betrachtet wird. Man redet nicht mehr von Frieden, sondern nur noch von „Fähigkeit zur Landes- und Bündnisverteidigung“. Papperger rechnet kalt vor, dass allein für einen 30-tägigen Krieg Millionen von Granaten nötig wären – und sein Unternehmen ist bereit, diese Nachfrage in Serie zu bedienen. Währenddessen entgleist die Realität: Kein Wort über Diplomatie, kein Gedanke an Deeskalation. Die Logik lautet: Je mehr Kanonenfutter die NATO braucht, desto mehr klingelt die Kasse in Düsseldorf.

Und damit nicht genug: Wer es wagt, diesem mörderischen Treiben zu widersprechen, wird unter Verdacht gestellt. In Köln versuchten die Behörden, ein Anti-Kriegs-Camp zu verbieten, weil die Aktivisten die Parole „Krieg dem Kriege“ verwendeten. Angeblich könne dies als Aufforderung zur Gewalt verstanden werden. Der kafkaeske Zynismus dieser Argumentation ist kaum zu überbieten. Es ist ein Satz des Schriftstellers Kurt Tucholsky aus dem Jahr 1919, der die Grauen des Ersten Weltkrieges beschrieb und warnte, wohin Militarismus und Wahnsinn führen. Nun wird ausgerechnet dieser Satz benutzt, um friedliche Kriegsgegner zu kriminalisieren. Am Ende musste das Oberverwaltungsgericht Münster das Verbot kippen. Aber das Signal ist klar: Wer gegen Rheinmetall, NATO und die neue deutsche Kriegswirtschaft opponiert, muss mit staatlicher Repression rechnen.

Tucholsky schrieb vor über hundert Jahren, dass es so nicht weitergehen dürfe, dass man gesehen habe, „wohin ein solcher Wahnsinn führt“. Doch die politischen Eliten, die sich heute in Hochrüstung und Kanonenromantik gefallen, haben nichts gelernt. Stattdessen wiederholt sich die Geschichte: Die Profiteure reiben sich die Hände, während die Masse der Bevölkerung verarmt, entrechtet und im Zweifel geopfert wird. Deutschland marschiert erneut in Richtung eines Abgrunds, den viele längst für überwunden hielten. Rheinmetall liefert die Granaten, die Regierung liefert das Menschenmaterial – und die Propaganda sorgt dafür, dass jeder Widerstand diffamiert wird.

Was am Ende bleibt, ist die alte Erkenntnis: Kriege sind niemals im Interesse der Völker, sondern immer nur im Interesse der Konzerne und der Machteliten. Doch solange der Bürger schweigt und es hinnimmt, dass sein Sozialstaat geopfert wird, damit Panzer rollen und Granaten fliegen können, solange wird sich die Spirale des Wahnsinns weiterdrehen. Der Tag, an dem die Rechnung präsentiert wird, wird kommen. Und er wird teuer – nicht nur in Euro, sondern in Blut.