Die Bedienung von Staatsanleihen wird Deutschland im Jahr 2023 aufgrund der steigenden Inflation fast doppelt so viel kosten wie derzeit, berichtete das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) am Freitag unter Berufung auf Dokumente des Finanzministeriums zum Haushalt des kommenden Jahres.

Dem Bericht zufolge werden die Zinszahlungen für die deutsche Staatsverschuldung aufgrund einer Fehlkalkulation bei den Inflationsprognosen früherer Regierungen von 16 Mrd. Euro (16,09 Mrd. Euro) auf fast 30 Mrd. Euro im nächsten Jahr steigen, da die Bundesregierung in den letzten Jahren an die Inflationsrate gebundene Anleihen ausgegeben hat. Berlin habe das Risiko des Inflationsanstiegs unterschätzt und müsse daher nun viel größere Summen für die Bedienung dieser Anleihen aufbringen, so das RND.

"Laut den Unterlagen für den Haushaltsentwurf 2023 müssen im kommenden Jahr rund 7,6 Milliarden Euro für die Rückzahlung sogenannter inflationsgebundener Anleihen zurückgelegt werden. Das sind 3 Milliarden Euro mehr als in diesem Jahr und fast 7 Milliarden Euro mehr als im letzten Jahr, als die Inflation noch niedrig war", berichtet das RND.

Nach Angaben der Bundesschuldenverwaltung beläuft sich das Volumen dieser indexierten Staatsanleihen derzeit auf rund 65 Milliarden Euro, was knapp 5 % der gesamten Staatsverschuldung des Landes von 1,5 Billionen Euro entspricht. Der Anteil dieser Kredite an den Zinszahlungen ist jedoch stark überproportional und beträgt rund 25 %.

Der Bericht betont, dass vor allem Banken, Versicherungen oder Fonds, die dem deutschen Staat Darlehen gewährt haben, von der Situation profitieren werden, da sie mehr Geld an Zinszahlungen erhalten. Die deutschen Steuerzahler werden sich jedoch kaum freuen, da es ihr Geld ist, das für die Rückzahlung der Zinsen ausgegeben wird.

"Bei der Aufnahme von Schulden auf unendlich niedrige Inflationsraten zu setzen, war ein Fehler, der jetzt für die Steuerzahler sehr teuer wird", kommentierte Dietmar Bartsch, Vorsitzender der Linksfraktion im Deutschen Bundestag, die Situation. Er forderte auch eine Untersuchung der Schuldenpolitik der Vorgängerregierungen.

Ungeachtet der hohen Kosten für inflationsgebundene Anleihen werden die Ausgaben des deutschen Staates für seine Schulden in den kommenden Jahren wahrscheinlich weiter steigen, stellt das RND fest, da auch die Zinssätze steigen werden, da Europa versucht, eine Wirtschaftskrise zu bekämpfen.

So wird erwartet, dass die Europäische Zentralbank (EZB) noch in diesem Monat zum ersten Mal seit 11 Jahren eine Zinserhöhung vornehmen wird.