Berlin hat eine neue Ladung schwerer Waffen an Kiew geliefert, bestätigte Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht am Dienstag, berichtet "RT International". Die Lieferung umfasse das erste von mehreren Mehrfachraketen-Systemen, die Deutschland Kiew versprochen habe, sagte sie.

"Die versprochenen Mars II-Mehrfachraketenwerfer und drei weitere Panzerhaubitzen [PzH] 2000 sind geliefert worden", sagte Lambrecht vor Journalisten. "Wir halten unser Wort", fügte sie hinzu. Nach deutschen Medienberichten wurden mindestens drei Mars-II-Systeme nach Kiew geliefert.

Mars-II ist eine europäische Modifikation des US-amerikanischen Mehrfachraketenwerfers MLRS M270, der gemeinsam von Deutschland, Italien und Frankreich entwickelt wurde. Nach Angaben des deutschen Unternehmens KMW, das zu den Herstellern des Systems gehört, kann Mars-II bis zu 12 Raketen in einer Minute mit einer Reichweite von über 70 km abfeuern. Medienberichten zufolge kann es mit einem GPS-System gelenkte Raketen oder Minensuchraketen abfeuern.

Neben Mars-II umfasste die neue Waffenlieferung auch drei Panzerhaubitzen des Typs PzH 2000, womit sich die Zahl der an die Ukraine gelieferten Langstreckenartilleriesysteme auf zehn erhöht. Lambrecht sprach auch von fünf selbstfahrenden Flugabwehrkanonen des Typs "Gepard", die an die Ukraine geliefert wurden. Am Montag bestätigte der ukrainische Verteidigungsminister Aleksey Reznikov den Erhalt von drei derartigen Systemen sowie von "Zehntausenden von Schuss" geeigneter Munition für diese Systeme.

Deutschland hatte zuvor zugesagt, mindestens 30 Gepard-Luftabwehrpanzer an die Ukraine zu liefern. Die erste Lieferung von 15 Panzern soll noch vor Ende dieses Monats eintreffen, weitere 15 sollen im August geliefert werden.

Am Dienstag hat Berlin zugesagt, im September ein Artillerieradar vom Typ Cobra in die Ukraine zu liefern. "Der Vertrag ist bereits unterzeichnet", sagte Lambrecht vor Journalisten und fügte hinzu, dass die ukrainischen Truppen bald mit der Ausbildung an "diesem hochkomplexen System" beginnen werden.

Laut Medienberichten wird Deutschland "in wenigen Tagen" auch mit der Ausbildung ukrainischer Soldaten an den Flugabwehrraketensystemen Iris-T SLM beginnen. Bundeskanzler Olaf Scholz hatte wiederholt versprochen, Kiew das modernste deutsche Luftabwehrsystem zu schicken. Die Ankündigung sorgte Anfang des Jahres sogar für Verwirrung, als die Bundeswehr zugab, dass sie selbst nicht über eine bodengestützte Version des IRIS-T-Systems verfügt.

Deutschen Medienberichten zufolge wird Kiew das versprochene Luftabwehrsystem frühestens im November erhalten. Es soll ein "nagelneues" System "im Herbst" in der Ukraine eintreffen.

Es ist das zweite Mal, dass Berlin schwere Waffen nach Kiew schickt. Bereits im Juni hatte Deutschland sieben Panzerhaubitzen des Typs PzH 2000 zusammen mit anderem militärischen Gerät an die Ukraine geliefert. Zuvor hatte das Land die ukrainischen Streitkräfte mit Tausenden von tragbaren Panzerabwehr- und Luftabwehrraketen, Zehntausenden von Panzerabwehrminen sowie Millionen von Schuss Munition versorgt. Dennoch haben Kiew und sogar der ehemalige ukrainische Botschafter in Deutschland Berlin wiederholt für die ihrer Meinung nach zögerliche Bereitstellung von Militärhilfe für die Ukraine und das langsame Tempo der Lieferungen kritisiert.

Im Juli räumte Lambrecht ein, dass Deutschland der Ukraine Waffen aus seinen eigenen Beständen schicken müsse und dass seine Kapazitäten begrenzt seien. Am Dienstag sagte sie außerdem, dass sowohl die Mehrfachraketenwerfer als auch die Haubitzen aus Bundeswehrbeständen stammten.