Der russische Energiekonzern Gazprom wird den Betrieb der zweiten Siemens-Turbine einstellen, teilte das Unternehmen am Montag mit, berichtet Kommersant. Die Erdgasversorgung durch die Nord Stream 1-Pipeline wird ab dem 27. Juli auf 33 Millionen Kubikmeter pro Tag begrenzt, was nur 20 % der Kapazität der Pipeline entspricht.
Laut Gazprom wurde die Entscheidung, die Turbine abzuschalten, aufgrund ihres technischen Zustands und der Tatsache getroffen, dass eine Überholung ansteht.
Einem früheren Bericht der Zeitung "Kommersant" zufolge müssen mehrere der neun Turbinen der Verdichterstation Portovaya repariert werden. Der Zeitung zufolge hat Gazprom noch keine weiteren Reparaturen genehmigt und die Überholung einer Turbine dauerte etwa drei Monate. Die aktuelle Lizenzvereinbarung erlaubt es Siemens Energy, bis Ende 2024 fünf weitere Turbinen zur Reparatur anzunehmen.
Eine Sprecherin des deutschen Bundeswirtschaftsministeriums erklärte, es gebe keine technischen Gründe für eine Reduzierung der Gaslieferungen über die Nord Stream 1-Pipeline. Die sanktionsrechtlichen Genehmigungsvoraussetzungen für die Auslieferung der in Rede stehenden Turbine lägen zudem vor. "Kanada hat die nach kanadischen Recht notwendige Ausnahmegenehmigung erteilt. Nach dem EU-Sanktionsrecht ist keine Ausnahmegenehmigung erforderlich", so die Sprecherin.
Deutsche Ampelpolitiker entsetzt
Führende Energie- und Wirtschaft-Politiker der Ampel-Koalition sowie Vertreter der Industrie haben sich wegen der erneuten Drosselung der Gasliefermenge durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 alarmiert gezeigt und mehr Tempo bei der Diversifizierung der Bezugsquellen gefordert.
"Die erneute Drosselung der Liefermenge macht die weiter bestehende unsichere Lage deutlich. Es gilt, weiter alle Anstrengungen zu unternehmen, um die Abhängigkeit von russischem Gas schnellstmöglich zu reduzieren und alle Alternativen zu heben", sagte SPD-Fraktionsvize Matthias Miersch dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland".
"Die deutsche Öffentlichkeit sollte sich schnellstmöglich daran gewöhnen, dass nun regelmäßig Nachrichten über vermeintliche Lieferprobleme durch Nord Stream 1 seitens Russlands angeführt werden", sagte der energiepolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion Michael Kruse dem RND. "Dank Wladimir Putin ist das einstmals so zuverlässige Russland zum unsicheren Kantonisten geworden", so Kruse weiter.
"Wir tun deshalb gut daran, uns von dieser Gasquelle unabhängig zu machen und sollten dafür schnellstmöglich die eigene Gasförderung in der Nordsee und an Land wieder hochfahren", forderte er. "Nur dann können wir Putins psychologische Kriegsführung gegen den Westen irgendwann als irrelevantes Getue beiseiteschieben."



