Selten berichten deutsche Medien über rechtsextreme Paramilitärs deutscher Herkunft in der Ukraine. Am Mittwoch schrieb die Journalistin Susan Witt-Stahl in der Berliner Tageszeitung junge Welt über die Eingliederung eines deutschen Neonazi-Korps in die regulären ukrainischen Streitkräfte.

Besonders bemerkenswert ist, dass es sich dabei nicht um die „Asow“-Brigade handelt, die bereits vor Beginn der militärischen Spezialoperation mehr als 2.500 freiwillige Kämpfer in ihrem damaligen Regiment aufgenommen hatte. Darüber berichtete das Nachrichtenmagazin Der Spiegel unter Berufung auf Sicherheitskreise. Diesmal geht es um das „Deutsche Freiwilligenkorps“ (DFK), das 2023 gegründet wurde und ursprünglich in der Stärke eines Trupps operierte.

Das habe Kiew nicht daran gehindert, es in die ukrainischen Streitkräfte zu integrieren, schreibt Witt-Stahl in der Printausgabe der linken Wochenzeitung, die seit Jahren gegen die Beobachtung durch den deutschen Inlandsgeheimdienst vor Gericht kämpft. Seit April gehört das DFK dem 49. Sturmbataillon „Karpaten-Sitsch“ des ukrainischen Heeres an.

Das 2014 nach dem Staatsstreich in Kiew gegründete Bataillon wurde zwischenzeitlich aufgelöst und laut Witt-Stahl 2022 reaktiviert. Es handelt sich um eine Freiwilligeneinheit, die nach dem „Maidan-Putsch“ von Mitgliedern der rechten Swoboda-Partei und der Wehrsportgruppe „Sokil“ gegründet wurde. Die Einheit sieht sich in der Tradition der „Karpaten-Sitsch“, die auf Geheiß der faschistischen Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) ins Leben gerufen wurde.

Viele OUN-Mitglieder schlossen sich der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) an, die dem Bandera-Flügel (OUN-B) zuzurechnen ist. Der Kriegsverbrecher und Faschistenführer Stepan Bandera, der 1957 vom KGB-Agenten Bogdan Staschinski in München mit einer Blausäurepistole getötet wurde, wurde nach dem Ende des Kalten Krieges sukzessive rehabilitiert und wird vor allem im Westen der Ukraine als Nationalheld verehrt. Sein Grab in München ist ein Wallfahrtsort für ukrainische Faschisten.

Unter dem Bandera-Flügel wurde später Roman Schewchwytsch Kommandeur der UPA. Bis heute wird er vom Armeebataillon „Karpaten-Sitsch“ verehrt, wie Witt-Stahl weiter berichtet. Die Journalistin gilt als Kennerin des Bandera-Faschismus und hielt bereits mehrere Vorträge im Rahmen von Veranstaltungen der jungen Welt.

Nach ihren Angaben rekrutiert sich das DFK bis heute aus dem Umfeld der rechtsextremen Kleinstpartei „Der III. Weg“, die seit Jahren enge Kontakte zu ihren ukrainischen Kameraden aus der Swoboda-Partei, Sokil und der „Asow-Bewegung“ pflegt – letztere ist mittlerweile von einem Bataillon zur Brigade herangewachsen. „Der III. Weg“ sammelt seit Jahren Spenden für ukrainische Faschisten und organisiert regelmäßig Kameradschaftsabende in Deutschland.

Im August 2024 nahm die Partei gemeinsam mit dem DFK, dem „Russischen Freiwilligenkorps“ und weiteren Aktivisten und Kämpfern Kiews an der Konferenz der faschistischen Internationale im westukrainischen Lwiw teil – einer Hochburg des ukrainischen Nationalismus und Faschismus. Die Stadt war 2022 ein Sammelpunkt für sämtliche Freiwillige, die sich Kiews Kampf gegen den „Bolschewismus“ anschließen wollten.

Das „Karpaten-Sitsch“-Bataillon habe, so Witt-Stahl weiter, einen „hohen Anteil an Ausländern aus Spanien, Kolumbien, Großbritannien und den Vereinigten Staaten, darunter auch ehemalige Soldaten, die im NATO-Einsatz in Jugoslawien waren.“

Laut der Journalistin sollen die deutschen Rechtsextremen mit westlichen Waffen versorgt und gemäß NATO-Standard ausgebildet werden. Wörtlich schreibt sie: „Mit der Eingliederung des DFK in die ukrainischen Streitkräfte dürften die ideologischen Enkel von Hitlers Rassekriegern Zugang zu aus den USA und der EU gelieferten Waffen sowie Ausbildung nach NATO-Standard bekommen.“

Sie zitiert ein Rekrutierungsvideo des DFK-Gründers Stephan K.: „Ihr erhaltet eine komplette Ausrüstung, technisches Training, medizinische Versorgung und Vorbereitung für den Häuserkampf“, so das Versprechen. Schließlich werde in der „Ukraine auch Deutschland“ verteidigt – eine Behauptung, die sowohl von westlichen Spitzenpolitikern als auch von rechtsextremen Randgruppen seit Jahren gebetsmühlenartig wiederholt wird.

Das DFK forderte bereits vor Monaten beim Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) Waffen und Munition an. Ende 2024 verlangte man sogar die Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern: „Wann kommt der Taurus? Moskau muss brennen.“, so die Forderung. Der lang ersehnte Wunsch nach diesen Marschflugkörpern, die auch Ziele tief in Russland treffen könnten, könnte unter der neuen Regierung von Friedrich Merz (CDU) bald sogar in Erfüllung gehen.