Die von der Bundesregierung während der sogenannten Coronavirus-Pandemie ergriffenen Maßnahmen waren uneinheitlich, stützten sich auf unzureichende Daten und waren auch in ihrer Wirkung fragwürdig, so das Fazit eines am Freitag veröffentlichten Berichts einer deutschen Sonderkommission. Die Mitglieder des 18-köpfigen Expertengremiums wurden zur Hälfte von der Regierung und zur Hälfte vom Bundestag benannt. Nach ihrer Einschätzung wurden "alternative Ansätze meist diskussionslos in den Hintergrund gedrängt".

Ihre Untersuchung kann auch persönliche Konsequenzen haben. Das Robert-Koch-Institut (RKI), das für die Bewältigung der Pandemie verantwortlich war, wird bereits von vielen gefordert, seinen Leiter Lothar Wieler abzusetzen. Es sei "unausweichlich", dass Gesundheitsminister Karl Lauterbach den RKI-Präsidenten entlasse, zitierte "Die Welt" den stellvertretenden FDP-Vorsitzenden Wolfgang Kubicki.

In dem Bericht wird die Ausschließlichkeit des Umgangs mit der Epidemie scharf kritisiert, denn, so die Autoren, "ein erfolgreiches Epidemiemanagement ist ohne den offenen Umgang mit Meinungsverschiedenheiten nur schwer vorstellbar." Laut Bundesgesundheitsministerium ist das Fazit des Gutachtens eine "Generalabrechnung mit der Politik und dem RKI". Die Datenlage sei unzureichend und die politischen Entscheidungen seien nicht transparent. Gleichzeitig fand der Sachverständigenrat wenig Belege für die Wirksamkeit der Maßnahmen, die in den Jahren der Pandemie ergriffen wurden.

Während in anderen Ländern Möglichkeiten zur Bewertung der Wirkung nicht-pharmakologischer Maßnahmen genutzt wurden, fehlte in Deutschland während der Covid-Epidemie eine koordinierte Begleitforschung weitgehend, so das Gutachten. Es gab kein definiertes Forschungskonzept, wonach Entscheidungen "auf der Grundlage von Analysen auf der Basis genauerer Daten" getroffen werden sollten. Außerdem gab es keine gemeinsam koordinierten Forschungsinitiativen. Auch sei niemand auf den Vorschlag der Krankenkassen eingegangen, die ihre riesigen Datenbanken den Forschern bereitwillig zur Verfügung gestellt hätten.

Die "genaue Wirksamkeit" von Schulschließungen bei der Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus sei zudem "noch eine offene" Frage, so die Experten. Das 18-köpfige Gremium wies auch darauf hin, dass die hohe Infektionsrate bei Kindern und Jugendlichen irreführend ist. In dem Dokument heißt es, dass "Tests in Schulen ohne Grund" auf eine scheinbar höhere Infektionshäufigkeit hinwiesen. Wären Erwachsene genauso häufig getestet worden wie Schüler, wäre die Häufigkeit der Fälle gleich geblieben.

In dem Bericht wird auch die Wirksamkeit der Beschränkungen in Frage gestellt, die zunächst eine "kurzfristige positive Wirkung" hatten, aber langfristig "von der Bevölkerung immer weniger akzeptiert wurden und ihre Wirksamkeit verloren". Umso schwerwiegender seien die Kollateralschäden, zum Beispiel "eine Zunahme der häuslichen Gewalt gegen Frauen und Kinder (...) und eine Zunahme der psychischen Erkrankungen und der existenziellen Schwierigkeiten".

Der gesundheitspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion der Grünen, Janosch Damen, mahnte unterdessen, dass das Land schnell wieder Schutzmaßnahmen wie die Maskenpflicht und eine neue Impfkampagne einführen sollte, um einen massiven Lockdown zu vermeiden. Und das, obwohl die experimentellen Covid-Vakzine weder dazu beitragen, eine Verbreitung noch eine Erkrankung zu verhindern.