Die Ausbreitung der saisonalen Grippe in ganz Europa hat Besorgnis über das Risiko einer lang anhaltenden "Twindemie" ausgelöst, da die hohe Covid-Übertragungsrate Befürchtungen über die Belastung der bereits überlasteten europäischen Gesundheitssysteme aufkommen lässt. Maßnahmen-Kritiker warnen jedoch davor, dass dies von der Politik benutzt werden könnte, um die Einschränkungen der Bürger weiter zu verlängern.

Eine Kombination aus Lockdowns für Covid, dem Tragen von Masken und der Forderung nach sozialer Distanzierung auf dem gesamten Kontinent trug dazu bei, die Grippe im letzten Winter nahezu auszurotten, so die Experten. Wobei diese Erklärung bei einigen Epidemiologen auf Widerspruch stößt, zumal diese Maßnahmen kaum zur Eindämmung von Covid-19 beitrugen.

Das ECDC ist jedoch der Ansicht, dass die Lockerung der Beschränkungen zu einem erneuten Auftreten von Grippefällen führen wird. Die europäische Organisation hat berichtet, dass sich das Grippevirus schneller als erwartet über den Kontinent ausbreitet und dass die Zahl der Fälle auf Intensivstationen Ende Dezember gestiegen ist.

In einem Gespräch mit Reuters äußerte der Grippeexperte des ECDC, Pais Penttinen, "große Besorgnis" über die Grippe, da die Länder "alle Maßnahmen aufheben" und warnte, dass sich die Fälle "von den normalen saisonalen Mustern entfernen" könnten.

Die Aufhebung der Covid-Beschränkungen vor dem Ende des Frühjahrs könnte nach Ansicht des ECDC dazu führen, dass sich die Doppelinfektion mit Covid und Influenza über den Mai hinaus fortsetzt und die ohnehin schon überlasteten Gesundheitsdienste zusätzlich belastet werden. Die Bedenken wurden durch die in dieser Saison vorherrschende Grippevariante noch verstärkt, da die H3-Variante des A-Virus in der Regel schwere Krankheitsfälle bei älteren Patienten verursacht, was sich möglicherweise auf die Krankenhauseinweisungsraten auswirkt.

Sechs Länder der Region - Armenien, Weißrussland, Serbien, Frankreich, Georgien und Estland - haben eine saisonale Influenzaaktivität über dem normalen Schwellenwert in der Primärversorgung festgestellt. Weitere sieben Länder haben eine weit verbreitete Influenza-Aktivität und/oder eine mittlere Grippe-Intensität festgestellt.

Nach Angaben des französischen Gesundheitsministeriums wurde in drei Regionen Frankreichs bereits eine Grippe-Epidemie ausgerufen, und das Ministerium warnt, dass die Inanspruchnahme der Grippeschutzimpfung noch stark verbesserungsbedürftig ist, um die Auswirkungen des Virus zu begrenzen.

Die Befürchtung einer Zweitepidemie kommt angesichts von Berichten über "Flurona" auf, wobei eine israelische Frau die jüngste Person ist, die gleichzeitig mit Covid und Grippe infiziert wurde.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rief vor kurzem zur ständigen Wachsamkeit gegenüber Covid auf, da die Ausbreitung des Omicron-Stammes "ein hohes Maß an Unsicherheit" mit sich bringe.

Der WHO-Regionaldirektor für Europa, Dr. Hans Kluge, warnte, es gebe ein "sich schließendes Zeitfenster", um zu verhindern, dass die Gesundheitssysteme überlastet werden.