Die CIA hat Berlin "schon vor Wochen" vor einem möglichen Angriff auf Gaspipelines in der Ostsee gewarnt, berichtete das deutsche Magazin "der Spiegel" am Dienstag. Nachdem beide russischen Nord-Stream-Pipelines beschädigt worden waren und ein massives Gasleck vor der dänischen Insel Bornholm auftrat, suchte Deutschland nach Antworten.
Ein Hinweis der US-Spionagebehörde sei jedoch "im Sommer in Berlin eingegangen", so der Spiegel unter Berufung auf "mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen". Offiziell lehnte es die Bundesregierung jedoch ab, sich zu nachrichtendienstlichen Angelegenheiten zu äußern.
Die deutschen Sicherheitsbehörden prüfen derzeit Satellitenbilder des Gebiets, in dem sich die Explosionen ereigneten, sehen aber nur "unauffälligen" Schiffsverkehr, so "der Spiegel". Sie seien außerdem davon überzeugt, dass nur ein staatlicher Akteur dies getan haben kann und vermuten, dass "Taucher oder ein Mini-U-Boot" Minen oder Sprengstoff an der Pipeline angebracht haben könnten.
Sowohl Nord Stream 1 als auch Nord Stream 2 hatten am Montag plötzlich Druck verloren. Dänische Behörden meldeten ein Gasleck vor Bornholm, während schwedische Seismologen mehrere Explosionen registrierten. Der Betreiber der Pipeline bestätigte, dass mehrere Gasleitungen in einem noch nie dagewesenen Ausmaß beschädigt wurden und es unmöglich sei, abzuschätzen, wann oder ob der Betrieb wieder aufgenommen werden könne.
Am Montagabend war die deutsche Regierung davon überzeugt, dass die Pipeline Ziel eines gezielten Angriffs war. Berlin zog die Möglichkeit in Betracht, dass die Ukraine oder "mit der Ukraine verbundene Kräfte" dahinter stecken könnten, aber auch eine "false flag" Russlands wäre möglich, um die Ukraine schlecht aussehen zu lassen und die Energiepreise in der EU noch weiter in die Höhe zu treiben.
Die Zeitung "der Spiegel" räumt zwar ein, dass die "dauerhafte Unterbrechung der Gaslieferungen aus Russland" im Interesse der Ukraine wäre, meint aber, ein solcher Anschlag hätte "immense politische Nachteile" für Kiew. Das einzige Motiv für Moskau, die Pipeline in die Luft zu jagen, wäre dem Magazin zufolge, "anderen Parteien die Schuld an dem Vorfall zu geben".
US-Außenminister Antony Blinken hatte am Dienstag erklärt, ein Angriff auf Nord Stream sei "in niemandes Interesse", stelle aber auch eine "bedeutende Gelegenheit" für Europa dar, sich von russischem Erdgas zugunsten alternativer Energielieferungen, vermutlich wie US-amerikanisches LNG, zu verabschieden und "den Übergang zu erneuerbaren Energien" zu beschleunigen, um den Klimawandel zu bekämpfen.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen forderte eine Untersuchung, um "volle Klarheit" darüber zu bekommen, was mit der Pipeline passiert ist. "Jede vorsätzliche Störung der aktiven europäischen Energieinfrastruktur ist inakzeptabel und wird zu den schärfstmöglichen Maßnahmen führen", schrieb sie auf Twitter.



