Ein aussagekräftiges Symbol dieser Zeitenwende war kürzlich beim APEC-Gipfel in Lima zu beobachten: Während Chinas Staatschef Xi Jinping prominent in der ersten Reihe platziert wurde, fand sich der US-Präsident am Rand der Gruppe wieder - eine protokollarische Demütigung mit Symbolkraft.
Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Innerhalb von nur zwei Jahrzehnten ist Chinas Handelsvolumen mit Lateinamerika um das 26-fache gewachsen. Was im Jahr 2000 mit bescheidenen 2 Prozent der lateinamerikanischen Exporte begann, hat sich zu einer wirtschaftlichen Vormachtstellung entwickelt. Peking ist heute nicht nur wichtigster Handelspartner, sondern auch größter Kreditgeber der Region.
Besonders brisant ist das 1,3-Milliarden-Dollar-Projekt im peruanischen Hafen Chancay. General Laura Richardson, scheidende US-Kommandeurin für SOUTHCOM, warnt zu Recht: "Um mit China konkurrieren zu können, müssen wir uns von der rein militärischen Perspektive lösen und wirtschaftlich attraktive Alternativen entwickeln."
Die geopolitischen Auswirkungen reichen weit über Lateinamerika hinaus. Mit der Erweiterung der BRICS-Staaten formiert sich ein machtvolles Gegengewicht zum westlichen Einfluss. Die Allianz, die mittlerweile fast die Hälfte der Weltbevölkerung repräsentiert, kontrolliert 28 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung und 44 Prozent der weltweiten Ölförderung.
Beim jüngsten G20-Gipfel in Rio wurde die schwindende US-amerikanische Führungsrolle besonders deutlich. Brasiliens Präsident Lula da Silva demonstrierte geschickt seine Loyalität gegenüber den BRICS-Partnern, indem er pro-westliche Formulierungen zur Ukraine-Krise und zum Nahostkonflikt erfolgreich verwässerte.
Die Botschaft ist klar: Washington kann seine Interessen nicht mehr wie gewohnt durchsetzen. Die neue multipolare Weltordnung erfordert einen fundamentalen Kurswechsel der US-Außenpolitik - weg von militärischer Dominanz, hin zu wirtschaftlicher Kooperation auf Augenhöhe. Die Frage ist nur: Ist Amerika dazu bereit?


