Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: China hat zwei Flugzeugträger, die Liaoning und die Shandong, mit Begleitschiffen tief in den Pazifik geschickt, um dort Übungen abzuhalten. Japans Verteidigungsminister Gen Nakatani erklärte, die Träger seien östlich von Iwo Jima aktiv gewesen, etwa 750 Meilen südlich von Tokio – eine Region, die seit Jahrzehnten von amerikanischen Militärbasen geprägt ist. Die New York Times spricht von einem Zeichen für Pekings wachsende militärische Ambitionen. Doch wer genauer hinsieht, erkennt: China reagiert auf ein Umfeld, in dem es sich zunehmend bedrängt fühlt, und seine Manöver sind weniger eine Machtdemonstration als ein Versuch, Präsenz zu zeigen.

Ein Spiel mit ungleichen Mitteln


Die Schlagzeilen im Westen malen Chinas zwei Flugzeugträger als Bedrohung an die Wand, während ein viel größeres Bild ausgeblendet wird. Die USA unterhalten elf nuklearbetriebene Flugzeugträger, die weltweit operieren – oft direkt vor Chinas Haustür, etwa in der Taiwan-Straße. Diese Einsätze gehen Hand in Hand mit scharfen Worten aus Washington, wo Politiker laut über Konflikte spekulieren, falls China Taiwan für sich beanspruchen sollte. China hingegen hat neben den zwei aktiven Trägern nur einen dritten, die Fujian, in der Erprobung und einen vierten im Bau.

Die Zahlen sprechen für sich: Die militärische Überlegenheit der USA ist kaum zu leugnen. Dennoch wird China als der Aggressor dargestellt. Japans Marine, die die Übungen aus sicherer Entfernung beobachtete, bestätigte, dass alles in internationalen Gewässern stattfand – kein Verstoß, nur eine Übung. Trotzdem wird die Sache hochgespielt, während US-Schiffe in Chinas Nachbarschaft als Selbstverständlichkeit gelten.

Fremde Mächte in Chinas Nachbarschaft


Noch auffälliger ist, wie sich selbst die NATO in den Pazifik drängt. Im August 2023 hieß es bei Bloomberg, das Bündnis verstärke seine Präsenz mit Kriegsschiffen in der Region – ein Schritt, der in Peking Misstrauen weckt. Sogar Italien mischt mit: Der Flugzeugträger Cavour, Roms einziger, führte Übungen mit dem US-Träger USS Abraham Lincoln nahe Guam durch, inklusive Starts von F-35-Jets.

Was treibt ein Land wie Italien, das weit entfernt im Mittelmeer zu Hause ist, dazu, sich in Asiens Gewässern zu zeigen? Für China muss es wirken, als ob sich ein ganzes Bündnis aus Tausenden Kilometern Entfernung vor seiner Schwelle versammelt. Die NATO, ursprünglich ein atlantisches Verteidigungsbündnis, scheint ihre Rolle neu zu definieren – und China sieht darin weniger eine Partnerschaft als eine Machtdemonstration.

Warum China handelt


Hinter Chinas Manövern liegt eine einfache Logik. Jeden Tag lesen Entscheidungsträger in Peking von neuen Militärübungen der USA, von Bündnissen wie AUKUS oder von US-Truppenstationierungen in Asien. Die Taiwan-Frage hängt wie ein ständiger Schatten über allem, angeheizt durch westliche Politiker und Medien. Dazu kommt die Abhängigkeit der Welt von taiwanischen Halbleitern, die selbst in den USA manchen nervös macht – weniger aus Sorge um Geopolitik, sondern um Smartphones und Elektronik.

Chinas Entscheidung, seine zwei Flugzeugträger weiter hinauszuschicken, erscheint in diesem Licht weniger wie ein Angriff, sondern wie ein Signal: Wir sind hier, und wir lassen uns nicht übersehen. Großmächte agieren so, wenn sie ihre Interessen wahren wollen. Für China ist es eine Frage der Selbsterhaltung in einer Region, in der die USA und ihre Verbündeten eine immer umfangreichere Präsenz aufbauen.