Deutschland kann ohne russisches Gas 2,5 Monate eines durchschnittlichen Winters überstehen, wenn seine Gasspeicher bis zur Kapazität gefüllt sind, sagte der Chef der deutschen Regulierungsbehörde.

"Wenn die Gasspeicher rechnerisch zu 100 % gefüllt sind, könnten wir zweieinhalb Monate ohne russisches Gas auskommen. Dann sind die Speicher leer", sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, in einem Interview, berichtet die Nachrichtenagentur "TASS".

Der Beamte sieht die derzeitige Situation bei den Gaslieferungen nach Deutschland als angespannt, aber dennoch stabil an. Gleichzeitig betonte er, dass Deutschland zusätzliche Gaslieferanten finden und Gas sparen müsse, wo immer es möglich sei.

Am 14. Juni erklärte der russische Energieriese Gazprom, dass er gezwungen sei, die Erdgaslieferungen über die Nord Stream entgegen dem Zeitplan zu senken, da die Gaspumpeinheiten nicht rechtzeitig von der Reparatur durch Siemens zurückkehrten und Fehlfunktionen der Motoren festgestellt wurden.

Siemens Energy behauptet, dass eines der Gaspumpaggregate für die Nord Stream nach der Reparatur aufgrund der Sanktionen Kanadas gegen Russland nicht von Montreal nach Deutschland zurückgeschickt werden kann. Aus diesem Grund nutzt Gazprom derzeit nur 40 % der Nord-Stream-Kapazität für den Gastransport.

Der deutsche Vizekanzler und Minister für Wirtschaft und Klimaschutz, Robert Habeck, forderte angesichts des Rückgangs der Gaslieferungen über die Nord Stream eine Reduzierung des Gasverbrauchs im Land und bezeichnete die Situation als "Gaskrise".