Die Deutschen sollten ihren Energieverbrauch um mindestens 20 % senken, um eine Gasknappheit im kommenden Winter zu vermeiden, sagte Klaus Müller, der Leiter der deutschen Bundesnetzagentur für Gas und Strom, der "Welt am Sonntag".

"Die Verbraucher müssen mindestens 20 % einsparen - so viel mehr als bisher... Es besteht bereits das Risiko einer Gasknappheit im Dezember oder wir werden am Ende der kommenden Heizperiode niedrige Speicherstände haben", sagte der Chef der Bundesnetzagentur in dem am Samstag veröffentlichten Interview.

Müller sagte, Deutschland solle auch seine Gasexporte in die Nachbarländer um 20 Prozent reduzieren und 10 bis 15 Gigawattstunden Gas importieren, um Engpässe zu vermeiden.

"Wenn wir nicht viel einsparen und kein zusätzliches Gas bekommen, werden wir ein Problem bekommen", sagte Müller.

Deutschland hat im vergangenen Monat seine Ziele für die Gasspeicherung für den kommenden Herbst auf 75 % bis zum 1. September, 85 % bis zum 1. Oktober und 95 % bis zum 1. November erhöht. Berlin hat außerdem Energiesparmaßnahmen eingeführt, die im Falle eines Gasversorgungsengpasses Privathaushalten Vorrang einräumen. Dies bedeute jedoch nicht, dass die Haushalte übermäßig heizen dürften, so Müller.
"Sie sind sicher nicht durch die Verordnung geschützt, wenn sie meinen, sie hätten ein Recht, in dieser Notsituation ihre Wohnung übermäßig zu beheizen... Um Arbeitsplätze zu sichern, halte ich Sparmaßnahmen für Privathaushalte für legitim", so Müller.

Müller wies die Wirksamkeit von Fracking zurück, das von einigen Regionalpolitikern als Mittel zur Verhinderung von Gasknappheit vorgeschlagen wurde. "Die einzige Maßnahme, die helfen würde, wäre, in den nächsten 24 Monaten Gas in die Speicher, in die Industrieanlagen oder in die privaten Heizungsanlagen zu füllen. Das wird Fracking in Deutschland nicht leisten", sagte er. Er schloss jedoch nicht aus, dass das Land in den kommenden Monaten weiterhin Kernkraftwerke zur Energieerzeugung nutzen muss.

Wegen Technischer Probleme hat Gazprom die Gaslieferungen nach Deutschland durch die Nord-Stream-Pipeline auf 20 % reduziert hat. Außerdem sei die Turbine, die das Unternehmen in den letzten Wochen nach Reparaturen aufgrund der Sanktionen gegen die Ukraine zu spät aus Kanada zurückerhalten hat, immer noch nicht am Einsatzort.

Müller hatte zuvor erklärt, dass Russland das Problem mit der Turbine zum Anlass nehmen könnte, die Gaslieferungen nach Deutschland vollständig einzustellen, weshalb es für das Land entscheidend sei, so viel Gas wie möglich zu sparen.