Die Deutsche Bundesbank hat ihre Konjunkturprognose korrigiert und rechnet in ihrem jüngsten Monatsbericht mit einer zweistelligen Inflationsrate für Deutschland im Herbst. Der Chef der Bundesbank, Joachim Nagel, sagte der Rheinischen Post, dass die Inflationsrate in Deutschland im Herbst auf über 10 Prozent steigen könnte, was die höchste Rate seit 70 Jahren bedeuten würde.

Neben der Einführung eines Gaszuschlags nannte Nagel das bald auslaufende 9-Euro-Ticket der Bahn und den Benzinrabatt als zwei Faktoren, die zu den höheren Lebenshaltungskosten beitragen. "Die Erhöhung des allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns sorgt für zusätzlichen Kostendruck", fügte die Bank hinzu und bezog sich dabei auf die Anhebung des Mindestlohns auf 12 Euro pro Stunde, die ab Oktober gelten wird.

Ein schwächerer Euro wird sich auf die Kaufkraft des Landes für den Gasgroßhandel auswirken, und selbst wenn die Mehrwertsteuer auf Gas von 19 auf 7 Prozent gesenkt wird, wird sich der Gaszuschlag, der ab Oktober eingeführt wird, "im Herbst allmählich in den [Energie-]Preisen niederschlagen".

"Auch aufgrund der zunehmenden Verknappung auf dem Arbeitsmarkt zeichnet sich ein höherer Lohndruck als im zweiten Quartal ab", heißt es in dem Bericht weiter.

Die Bundesregierung wurde von Wirtschaftsverbänden gewarnt, dass die von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) angekündigte Gasabgabe ein schwerer Schlag für die gesamte deutsche Wirtschaft sein könnte. Wirtschaftsführer warnten, dass Unternehmen aufgrund des finanziellen Drucks ihren Standort verlagern oder schließen könnten. Die deutsche Regierung erhebt von Haushalten und der Industrie einen Aufschlag von 2,88 Cent pro Kilowattstunde für den laufenden Gasverbrauch.

Europas wirtschaftliches Kraftzentrum ist schon seit einiger Zeit ein Sorgenkind. Im vergangenen Monat verzeichnete Deutschland erstmals ein Handelsdefizit bei Waren, so dass Analysten für dieses Jahr eine Schrumpfung der deutschen Wirtschaft vorhersagen.

Die Bundesbank sieht die weitere wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland zunehmend pessimistisch und rechnet bis zum Winter mit einer Rezession. "Aufgrund der ungünstigen Entwicklung auf dem Gasmarkt ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Bruttoinlandsprodukt im kommenden Winterhalbjahr zurückgeht, deutlich gestiegen", heißt es in dem Monatsbericht.

Das Münchener Institut für Wirtschaftsforschung (IFO), eine der führenden deutschen Denkfabriken, hatte bereits im April vorausgesagt, dass die größte europäische Volkswirtschaft in diesem Jahr um 6,6 Prozent schrumpfen wird, was die schwerste Rezession in der Nachkriegsgeschichte des Landes bedeuten würde.