Die geopolitische Landschaft befindet sich im Umbruch, und die Dominanz des US-Dollars als globale Leitwährung gerät zunehmend unter Druck. Insbesondere die Stärkung und Erweiterung der BRICS-Staatengruppe sowie wachsende globale Bemühungen zur Entkopplung vom westlichen Finanzsystem stellen eine ernsthafte Herausforderung für die etablierte Ordnung dar.

BRICS+: Ein neuer Machtblock formiert sich


Die BRICS-Gruppe, bestehend aus Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika, hat sich in den letzten Jahren zu einem bedeutenden geopolitischen Akteur entwickelt. Mit der Erweiterung zu BRICS+ in diesem Jahr gewinnt die Allianz weiter an Gewicht:

  • Nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Welthandelsorganisation (WTO) werden die BRICS+-Staaten nach der Erweiterung 2024 für 28,7% des globalen BIP und fast 20% des internationalen Handels verantwortlich sein.

  • Die kombinierten Finanzreserven der Gruppe übersteigen 25 Billionen US-Dollar.

  • BRICS+ repräsentiert über 44,5% der Weltbevölkerung.

  • Mit dem Beitritt von Iran, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten kontrolliert die Gruppe künftig rund 32% der weltweiten Erdgasproduktion und 43% der Rohölförderung.


Diese Zahlen verdeutlichen das enorme wirtschaftliche und politische Potenzial von BRICS+. Experten sehen darin eine klare Herausforderung für die G7-Staaten und die westlich dominierte Finanzarchitektur.

De-Dollarisierung: Auf dem Weg zu einer multipolaren Währungsordnung


Ein zentrales Ziel der BRICS+-Staaten ist die Reduzierung der Abhängigkeit vom US-Dollar. Konkrete Schritte in diese Richtung sind bereits erkennbar:

  • Die Entwicklung alternativer Zahlungssysteme wie Chinas CIPS (Cross-Border Interbank Payment System) schreitet voran. Allein zwischen Mai 2023 und Mai 2024 stieg die Zahl der direkten CIPS-Teilnehmer um 78% auf 142.

  • Diskussionen über eine gemeinsame BRICS-Währung als Alternative zum Dollar gewinnen an Fahrt. Experten debattieren intensiv über das Potenzial einer solchen Währung, die Welthandel und Reserven diversifizieren könnte.

  • Der Anteil des Dollars an den weltweiten Währungsreserven ist in den letzten 20 Jahren von 71% auf etwa 59% gesunken – ein Trend, der sich durch die BRICS+-Initiative weiter beschleunigen könnte.


Herausforderungen für das westliche Finanzsystem


Die Bestrebungen der BRICS+-Staaten stellen das von den USA dominierte Finanzsystem vor erhebliche Herausforderungen:

  • Das SWIFT-System, bisher das Rückgrat des internationalen Zahlungsverkehrs, könnte durch Alternativen wie CIPS an Bedeutung verlieren.

  • Die Fähigkeit der USA, Finanzsanktionen als geopolitisches Druckmittel einzusetzen, könnte eingeschränkt werden.

  • Eine Fragmentierung des globalen Finanzsystems in verschiedene Währungsblöcke droht, was die Effizienz des internationalen Handels beeinträchtigen könnte.


Ausblick: Eine multipolare Finanzwelt im Entstehen


Trotz der ambitionierten Pläne von BRICS+ warnen Experten vor voreiligen Schlüssen. Die Ablösung des Dollars als globale Leitwährung wird, wenn überhaupt, ein langwieriger Prozess sein:

  • Prognosen zufolge wird BRICS+ die wirtschaftliche Größe des Westens erst in etwa zwei Jahrzehnten übertreffen.

  • Die Tiefe und Liquidität der US-Finanzmärkte sowie das Vertrauen in US-Institutionen bleiben vorerst unübertroffen.

  • Interne Spannungen und potenzielle Konflikte zwischen BRICS+-Mitgliedern (z.B. Saudi-Arabien/Iran oder Ägypten/Äthiopien) könnten die Einheit der Gruppe gefährden.


Dennoch ist klar: Die globale Finanzarchitektur befindet sich im Wandel. Eine zunehmend multipolare Welt spiegelt sich auch in einer diversifizierteren Währungslandschaft wider. Für den Westen und insbesondere die USA bedeutet dies, dass sie ihre wirtschaftliche und finanzielle Vormachtstellung nicht mehr als selbstverständlich ansehen können. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie sich dieses neue Gleichgewicht der Kräfte auf die Weltwirtschaft und die internationale Politik auswirken wird.