Das was wir derzeit in Bezug auf die Ukraine-Krise erleben ist geradezu ein Russisches Roulette der Biden-Administration. Mit dem ausgewachsenen Wirtschaftskrieg gegen Russland (Öl-Embargo, Störung des Gasflusses nach Europa, Abkopplung Russlands vom SWIFT-System) zerstört Washington derzeit nicht nur die ohnehin schon durch die Covid-Lockdowns angeschlagenen Lieferketten und damit auch die Güterproduktion. Die stark steigenden Energiekosten sorgen zudem für große wirtschaftliche Probleme. Und dann kommt die Zerstörung des Vertrauens in das westliche (auf dem US-Dollar basierenden) Finanzsystem, indem man einerseits der russischen Zentralbank den Zugriff auf die Devisenreserven sperrte und andererseits das Land auch noch faktisch von SWIFT ausschloss. Dies wird die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten und noch mehr in Europa massiv schädigen.
Gleichzeitig spielt diese Politik vor allem der Volksrepublik China in die Hände. Die Chinesen erhalten Öl und Gas aus Russland zum Vorzugspreis und können so die stark steigenden Preise auf dem Weltmarkt Dank der langfristigen Verträge teilweise ignorieren. Das heißt: die energieintensiven chinesischen Unternehmen haben gegenüber ihren europäischen Mitbewerbern deutliche Kostenvorteile. Gleichzeitig kann Russland in immer mehr Bereichen Autarkie erreichen, weil die Investitionsbereitschaft im Inland wächst. Insofern kann man sagen, dass sich der Westen derzeit faktisch "die Silberkugel" verpasst. Denn Biden spielt ein geopolitisches Russisches Roulette, bei dem schlussendlich ein Schuss tödlich enden könnte.
Doch das ist noch längst nicht alles. Während die russischen Truppen in der Ukraine nur langsam vorrücken, um so die zivilen Verluste zu minimieren, scheint Biden bis zum letzten Ukrainer kämpfen zu wollen. Es werden weiterhin Waffen und anderes Kriegsgerät geliefert. Warum? Egal wie viele Waffen die USA und die NATO auch an die Ukraine liefern, gegen die russischen Truppen haben die ukrainischen Verbände keine Chance. Das Einzige das passieren wird, sind wachsende Verluste bei den Truppen und Zivilisten, sowie eine zunehmend zerstörte zivile Infrastruktur. Dann noch der Exodus der Bevölkerung - Millionen Menschen auf der Flucht und nur ein Teil davon wird zurückkehren.
Aber wozu das Ganze? Der Versuch der Amerikaner, die Ukraine in die NATO zu führen, war von Anfang an zum scheitern verurteilt. Moskau - egal unter welcher Führung - kann das nicht zulassen. Das wusste man auch in Washington schon seit vielen Jahren. Und selbst der Versuch, die Ukraine als Hebel gegen Russland einzusetzen, scheitert. Der Westen und dessen Verbündeten mögen Russland sanktionieren, doch der Rest der Welt tut es nicht. Im Gegenteil, sie intensivieren ihre Wirtschaftsbeziehungen sogar noch. Wer schlau ist, organisiert sich wie China längerfristige Lieferverträge für Öl und Gas zu günstigen Konditionen. Und das wenn möglich nicht auf Basis von US-Dollar (oder Euro). Die "Bewaffnung" des Finanzsystems durch Washington und Brüssel (durch den Ausschluss Russlands aus SWIFT) hat vielen anderen Ländern gezeigt, wie gefährlich es sein kann, sich zu sehr darauf zu verlassen. Diversifikation ist gefragt.
Für jene Länder, die auf den militärischen Schutz der Vereinigten Staaten setzen, ist die aktuelle Lage der Ukraine auch ein Warnsignal. Wenn Washington dazu bereit ist, bis zum letzten Ukrainer gegen Russland zu kämpfen - wird es auch bis zum letzten Taiwanesen, Südkoreaner und Japaner gegen China kämpfen? Oder bis zum letzten Araber und Israeli gegen den Iran?



