Die Entscheidung, 15 zusätzliche F-35 zu beschaffen, fällt in eine Phase wachsender Spannungen zwischen Berlin und Paris. Die Uneinigkeit über das europäische Kampfflugzeug FCAS lähmt die Zusammenarbeit, während die Abhängigkeit von amerikanischer Militärtechnik weiter zunimmt.
Die Bundesregierung hatte bereits 2022 nach dem russischen Angriff auf die Ukraine den Kauf von 35 F-35 beschlossen. Nun soll die Flotte auf 50 Maschinen anwachsen. Offiziell bestätigt ist der Deal noch nicht, doch mehrere Quellen berichten von fortgeschrittenen Verhandlungen mit Washington. Die Gespräche finden zu einem heiklen Zeitpunkt statt: Erst kürzlich eskalierte der Streit mit Frankreich über die Aufteilung der FCAS-Industrieanteile, nachdem französische Unternehmen 80 Prozent der zentralen Komponenten für sich beanspruchten.
Die Bundesregierung steht damit vor einem Dilemma. Einerseits fordert Kanzler Friedrich Merz seit Monaten mehr europäische Eigenständigkeit in der Verteidigungspolitik. Andererseits zwingt die stockende Entwicklung des FCAS und der akute Bedarf an einsatzfähigen Flugzeugen Berlin zu pragmatischen Entscheidungen. Die F-35 gilt als erprobt, nuklearfähig und könnte bereits 2027 einsatzbereit sein – während der europäische FCAS-Prototyp frühestens 2028 abheben dürfte.
Europas Verteidigung: Vision und Realität klaffen auseinander
Die erneute Hinwendung zu amerikanischer Rüstungstechnologie wirft grundsätzliche Fragen auf. Kritiker warnen seit Jahren vor der wachsenden Abhängigkeit Europas vom US-amerikanischen Militärisch-industriellen Komplex. Die F-35 ist nicht nur teuer in der Anschaffung, sondern bindet Deutschland auch langfristig an amerikanische Wartung, Ersatzteile und Software. Die viel beschworene europäische Souveränität bleibt damit ein Lippenbekenntnis.
Gleichzeitig wächst der Druck auf die Bundesregierung, die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr zu sichern. Die F-35 bietet eine kurzfristige Lösung, doch der Preis ist hoch: Die strategische Autonomie Europas rückt in weite Ferne. Die anstehenden Treffen zwischen Merz und Macron sowie zwischen Verteidigungsminister Pistorius und seinem US-Amtskollegen werden zeigen, ob es gelingt, die europäische Zusammenarbeit wiederzubeleben – oder ob Berlin endgültig auf den amerikanischen Kurs einschwenkt.
Die Entscheidung für weitere F-35 ist ein Signal: Deutschland setzt auf Sicherheit durch bewährte US-Technologie, auch wenn dies die Abhängigkeit von Washington weiter zementiert. Die Vision eines eigenständigen, starken Europas bleibt vorerst Zukunftsmusik. Mehr noch ist das Alles kaum zu verstehen, wenn man bedenkt, dass Deutschland einst bei der Entwicklung von Kampfflugzeugen eine Vorreiterrolle spielte - wenngleich auch unter anderen politischen Voraussetzungen.


