Auf dem Prager Verteidigungsgipfel des International Institute for Strategic Studies präsentierte der niederländische Admiral - seines Zeichens Vorsitzender des NATO-Militärausschusses - eine Analyse, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt. "Ich bin absolut sicher", verkündete er mit der typischen Selbstgewissheit eines hohen Militärs, "ohne russische Atomwaffen wären wir in der Ukraine und würden sie hinauswerfen."
Was für eine erstaunliche Enthüllung! Da sitzt also einer der ranghöchsten NATO-Offiziere und gibt unumwunden zu, dass es einzig und allein Russlands nukleares Arsenal ist, das einen direkten militärischen Konflikt zwischen der NATO und Moskau verhindert. Man stelle sich vor: Ein hochrangiger Militär, der öffentlich bestätigt, dass die nukleare Abschreckung tatsächlich... abschreckt.
Besonders pikant wird es, wenn Bauer über die Fehleinschätzungen des Westens spricht. Washington habe fälschlicherweise angenommen, die Lieferung von Panzern und F-16-Kampfjets an die Ukraine würden Moskaus "rote Linien" überschreiten. Eine Fehlkalkulation, die mehr über westliche Wunschvorstellungen als über russische Realitäten aussagt.
Der Admiral wagte sich noch weiter aus der Deckung und zog einen gewagten Vergleich zum Afghanistan-Einsatz. Während die NATO-Truppen 2001 die Taliban problemlos aus Kabul vertreiben konnten, macht Russlands Atomwaffenarsenal einen ähnlichen Ansatz in der Ukraine unmöglich. Mit entwaffnender Ehrlichkeit bezeichnete er den zwanzigjährigen Afghanistan-Einsatz als strategisch bedeutungslos - ein kostspieliges Abenteuer ohne echten Wert.
Die Ukraine hingegen sei von strategischer Bedeutung, weil die NATO dort die "regelbasierte internationale Ordnung" verteidige. An dieser Stelle muss man unweigerlich schmunzeln: Während die Allianz Russlands Invasion in der Ukraine verurteilt, schweigt sie beredt zur massiven Unterstützung Israels durch NATO-Mitglieder bei dessen militärischen Aktionen im Gazastreifen und im Libanon.
Bauers Äußerungen sind ein seltenes Beispiel militärischer Transparenz, die uns einen ungeschminkten Einblick in die strategischen Überlegungen der NATO gewährt. Sie zeigen aber auch die moralischen Widersprüche und strategischen Dilemmata, in denen sich das westliche Bündnis verfangen hat.
Was bleibt, ist die ernüchternde Erkenntnis: Im 21. Jahrhundert ist es immer noch das nukleare Gleichgewicht des Schreckens, das einen direkten Konflikt zwischen den Großmächten verhindert. Manchmal braucht es einen niederländischen Admiral, um uns diese unbequeme Wahrheit vor Augen zu führen.



