Die anhaltende Energiekrise in Deutschland hat einen lokalen Energieversorger dazu gezwungen, mehrere Windkraftanlagen abzureißen, um Platz für die Erweiterung eines Kohletagebaus zu schaffen. Die "paradoxe" Entscheidung steht im Widerspruch zur Umweltpolitik des Landes.

Nachdem bereits eine Anlage abgerissen wurde, haben die regionalen Behörden den Energiekonzern RWE aufgefordert, seine Pläne für den Abbau von zwei weiteren Anlagen rückgängig zu machen. "Uns ist klar, dass dies paradox erscheint", räumte Guido Steffen, ein Sprecher von RWE, ein, aber das ist der Stand der Dinge", fügte er hinzu.

Steffen wies darauf hin, dass der Umbau der Turbinen für die Erweiterung der Mine Teil der ursprünglichen Vereinbarung war, die den Bau des Windparks im Jahr 2001 überhaupt erst ermöglichte.

Der vor mehr als zwanzig Jahren in Betrieb genommene Windpark Keyenberg in Nordrhein-Westfalen verfügte über insgesamt acht Anlagen und liegt weniger als einen Kilometer vom Rand des Tagebaus Garzweiler entfernt. Eine der Anlagen wurde bereits in der vergangenen Woche abgerissen, zwei weiteren droht das gleiche Schicksal im Laufe des Jahres 2023.

Nach Angaben des Windparkbetreibers Energiekontor könnten auch die übrigen fünf veralteten Anlagen bis Ende nächsten Jahres verschwinden, da ihre Betriebsgenehmigung bald abläuft.

Nach ihrem Amtsantritt in Berlin im Dezember 2021 hatte die Regierungskoalition von Olaf Scholz ein ehrgeiziges Programm vorgelegt, das den Übergang von fossilen Brennstoffen zu erneuerbaren Energien vorsah.

Diese Pläne wurden jedoch nach dem Beginn des russischen Militäreinsatzes in der Ukraine, der die Gaspreise unter anderem aufgrund der gegen Moskau verhängten Sanktionen in die Höhe schnellen ließ, praktisch auf Eis gelegt. Die Situation verschärfte sich weiter, als Russland Anfang September die Gaslieferungen nach Deutschland über die Nord Stream 1-Pipeline stoppte, die später durch eine Explosion beschädigt wurde.

Um die Energiesicherheit des Landes zu gewährleisten, ordneten die Behörden in Berlin Ende September an, dass stillgelegte Braunkohlegruben wieder in Betrieb genommen werden können. Auch das Auslaufen der Kohlekraftwerke wurde bis März 2024 verschoben.

Das nordrhein-westfälische Ministerium für Wirtschaft und Energie forderte RWE am Montag dennoch auf, seine Pläne zum Abbau des Windparks rückgängig zu machen.

"In der aktuellen Situation sollten alle Potenziale für die Nutzung erneuerbarer Energien so weit wie möglich ausgeschöpft werden und die bestehenden Anlagen so lange wie möglich in Betrieb bleiben", hieß es.